Pädagogische Schwerpunktsetzung im Schuljahr 2009/2010
- Gestaltung der Jahrgangsstufe 10 mit ihrer Doppelfunktion in der neuen Ausbildungsordnung zur Vorbereitung auf das 12-jährige Abitur
- Schrittweise Umsetzung des Konzeptes zur Medienentwicklungsplanung als Pilotschule im Rahmen des EFRE-Projektes für das Land Brandenburg
- Sicherung guten Unterrichtes durch ein effektives Classroom-Management und eine funktionierende Zusammenarbeit mit den Eltern
(beschlossen durch die Lehrerkonferenz am 25.08.2009)
Kurze Erläuterungen zu den einzelnen Schwerpunkten:
Zu 1.
Aufgrund der Schulzeitverkürung auf 12 Jahre bis zum Abitur ist in der neuen Ausbildungsordnung der Sekundarstufe I vorgesehen, dass die Schüler der JST 10 im Schuljahr 2009/10 erstmals sowohl die Sekundarstufe I abschließen als auch gleichzeitig die Einführungsphase der GOST durchlaufen. Im Schuljahr 2009/10 muss es gelingen, die Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 auf ein einheitlich hohes Ausgangsniveau für den Übergang in die Qualifikationsphase zu bringen. Hierzu hat die Lehrerkonferenz bereits im vergangenen Schuljahr beschlossen, den Unterricht in den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik in der JST 10 zu teilen, um vermutete Defizite gegenüber den Schülern der JST 11 auszugleichen. Die Fachkonferenzen sind gefordert, ihre didaktische wie auch methodische Unterrichtsgestaltung diesem Ziel anzupassen. Für die Jahrgangsstufe 11 scheint wichtig zu sein, dass insbesondere die lernmethodischen Ansätze einen Schwerpunkt bilden sollten, damit die Motivation für ein eigenverantwortliches Lernen erhöht wird. Beide Jahrgangsstufen werden im Schuljahr 2010/11 gemeinsame Kurse in der Qualifikationsphase bilden.
zu 2.
Ziel jeglicher Arbeit in der Schule muss es sein, die Unterrichtsqualität zu steigern und damit verbunden die Verbesserung der Ausbildung unserer Schüler zu erzeugen. Die Schüler sollen, so steht es in unserem dritten Leitziel des Schulprogrammes, zukunftsorientiert handlungsfähig gemacht werden. Daraus leitet sich für uns ab, dass wir in zunehmendem Maße auch die neuen Medien mit in den Unterrichtsprozess einbinden müssen. Hierfür müssen neue Unterrichtskonzepte erarbeitet werden. Das Ziel ist eindeutig bestimmt: Erhöhung der Unterrichtseffizienz unter Nutzung neuer Möglichkeiten.
Medienentwicklungsplanung heißt aber nicht, nur die häufigere Nutzung der Computertechnik oder noch mehr akustische oder visuelle Reizüberflutungen in den Unterricht einzuführen. Wir wollen auch nicht bewährte Unterrichtsmittel, wie die Tafel, die Kreide, das Buch, die selbst angefertigten Unterrichtsmitschriften, die Mimik und Gestik der Lehrkraft u.v.m. aus dem Unterricht verbannen. Wir wollen mit der Umsetzung des im Schuljahr 2008/09 erarbeiteten Medienentwicklungsplanes die neuen technischen Möglichkeiten unterstützend einsetzen, um die oben genannten Ziele zu erreichen.
Die bereits bewährten Einrichtungen (Großbildschirm mit anschließbarem Laptop) in einigen Kursräumen sollen sukzessive erweitert werden. Durch Zusammenlegung der Kursräume 325 und 326 entsteht ein Multimediaraum mit Laptopinseln, der die Möglichkeit bietet, bis zu 30 Schülern einzeln am Computer arbeiten zu lassen. Diese neuen technischen Voraussetzungen effektiv unterrichtsorganisatorisch zu nutzen verlangt von jeder einzelnen Lehrkraft ein hohes Maß an individueller Fortbildung sowohl auf informationstechnischem wie auch medienmethodischem Gebiet.
zu 3.
In den letzten beiden Schuljahren haben wir uns der individuellen Förderung jedes einzelnen Schülers durch psychologische Reduktion der Gruppengröße und verstärktes binnendifferenziertes Unterrichten gewidmet. Mit dem Schwerpunkt ein effektives Classroom-Management zu organisieren, setzen wir den Unterrichtsentwicklungsprozess fort. Letztendlich geht es immer um die Frage, wie organisiert man erfolgreichen Unterricht.
Nach HELMKE/WEINERT (2000) sind Qualitätskennzeichen guten Unterrichts:
- Klarheit
- effektive Unterrichtsführung
- individuelle, fachliche Unterstützung (d. h. aktive Kontrolle und Unterstützung des Arbeitsfortschritts in Übung und Stillarbeit)
Es stellt sich die Frage nach der effektivsten Unterrichtsmethode bezogen auf die individuelle Förderung des Schülers.
Die internationale Unterrichtsforschung beantwortet die Frage, was macht erfolgreichen Unterricht aus, recht eindeutig:
In erster Linie ist es eine Technik der Unterrichtsführung, die darin besteht, dass alle mitarbeiten und dass es wenig Fehlverhalten gibt. Weiterhin ist belegt, dass ein relativ straffer, disziplinierter Unterricht sich als günstig für die Erzielung eines Unterrichtserfolges erweist.
EICHHORN (2008) hat die Erkenntnisse zur effektiven Unterrichtsführung in seinem Buch: „Classroom-Management, wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten“ zusammengefasst. Es sind insbesondere die Ergebnisse internationaler Studien, vor allem amerikanischer, japanischer und schweizer Bildungsforscher ausgewertet worden, die durch die Ergebnisse der Studien der OECD ihre Bestätigung erfuhren.
HELMKE (2003) schrieb: „Die internationale Forschung zeigt, dass kein anderes Merkmal so eindeutig und konsistent mit dem Leistungsniveau und dem Leistungsfortschritt von Schulklassen verknüpft ist, wie die Klassenführung. Die effiziente Führung einer Klasse ist eine Vorausbedingung für anspruchsvollen Unterricht: Sie optimiert den zeitlichen und motivationalen Rahmen für den Fachunterricht“
WONG/WONG (2004) meinen: „Es kommt auf den Lehrer an. Wie der Lehrer seine Klasse führt, entscheidet letztendlich, ob und wie viel seine Schüler lernen.“
Dies ist bitte nicht einseitig und absolut zu sehen, denn zum Lernerfolg gehören vielfältige Einflussfaktoren. In einem sind sich jedoch alle Bildungsforscher einig:
Der Lehrer ist verantwortlich für das Management in seinem Unterricht. Gibt er diese Führungsrolle an seine Schüler ab, hat er seinen Einfluss verloren und der Bildungsfortschritt bei den Schülern schmälert sich. Wenn die Beziehungen zwischen Schüler und Lehrer und zwischen Schüler und Schüler stimmen, lernen Schüler besser. Gute Beziehungen zwischen dem Lehrer und seinen Schülern, aber auch unter den Schülern stellen sich nicht ein, wenn es im Klassenzimmer drunter und drüber geht. NOLTING (2006) stellte bei seinen Untersuchungen zur Prävention von Unterrichtsstörungen fest: „Die mit Abstand häufigsten Lehrer-Schüler-Konflikte haben mit Disziplin zu tun.“ Disziplinprobleme vergiften nicht nur das Klima im Klassenzimmer, sondern sie treiben die Eltern in Opposition zum Lehrer. Lehrer schlecht zu machen ist in Deutschland Mode. Ein deutscher Verlag war sich nicht dafür zu schade, ein Buch mit dem Titel „Das Lehrerhasser-Buch. Eine Mutter rechnet ab“ herauszugeben (KÜHN, 2005). Und der ehemalige Bundeskanzler Gerhard SCHRÖDER titulierte Lehrer vollmundig als „faule Säcke“. Trotz oft häufig ungünstiger äußerer Umstände sollten wir stets versuchen, ein gutes Klima zu den Eltern aufzubauen. Es gibt dazu keine Alternative. Eltern müssen es verstehen, dass Kinder auftretende Problem immer nur aus ihrer Sicht zu Hause darstellen. Der Lehrer ist hier klar im Hintertreffen, denn über das Informationsmonopol zu Hause verfügt der Schüler. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass der Lehrer bei Dissonanzen im Unterricht, bei Disziplinverstößen nicht reagiert auf Initiativen der Eltern, sondern agiert, um die Eltern als den wichtigsten Partner der Schule zu gewinnen. Denn darin sind sich Eltern wie Lehrer gleichermaßen einig, dass Heranwachsenden durch die Erfahrungen der Älteren teilweise auch Hilfen aufgezwungen werden müssen. Die Vorbildwirkung der Erwachsenen schließe ich dabei selbstverständlich mit ein. Ein Lehrer kann nicht seine Schüler reglementieren, wenn sie verspätet in den Unterrichtsraum kommen, wenn er selbst häufig unbegründet zu spät erscheint.
Das Classroom-Management stellt immer wieder heraus, dass die Grundvoraussetzung für ein gutes Lern- und Arbeitsklima die Disziplin ist. Eine gute Organisation des Klassenzimmers reduziert Störungen und macht den Unterricht flüssiger. Manchmal sind es die altbewährten pädagogischen Kleinigkeiten, die aus falscher großzügiger Toleranz des Lehrers vernachlässigt werden. Hier nur ein paar Gedankenanstöße, um Bekanntes zu reaktivieren:
- Der Lehrer organisiert die Einrichtung des Klassenraumes so, dass er bei allem, was er tut, jederzeit alle Schüler gut im Blick hat.
- Der Lehrer legt unter pädagogischen Gesichtspunkten den Sitzplan fest, organisiert so effiziente Arbeitsstrukturen. Damit demonstriert er auch nonverbal seinen Führungsanspruch bezüglich zentraler Aspekte im Classroom-Management.
- In jedem Klassenzimmer gibt es „Autobahnen und verkehrsreiche Plätze“. Beide müssen frei von Staus sein. Sie dürfen nicht durch Taschen, Tische, Garderobe, Sturzhelme, Flaschen usw. verstopft sein, denn der Lehrer muss auf ihnen schnell und problemlos mögliche Brennpunkte im Klassenzimmer erreichen.
- Orte an denen sich wichtiges und häufig gebrauchtes Arbeitsmaterial befindet, müssen so weit voneinander entfernt liegen, dass es auch dann, wenn sich die Schüler mit Material versorgen, keine Staus gibt, die die Schüler zur Unruhe verleiten.
- Die Anordnung der Tische in einem Klassenzimmer hängt stark von der Entwicklungsstufe einer Lerngruppe ab. Je schwieriger eine Klasse ist, desto stärker sollte das klare Reihenprinzip mit Laufbahnen gewählt werden.
Gut organisierter Unterricht inkludiert Rituale bzw. Verfahrensabläufe. Man kann einstudierte Verfahrensabläufe als Einschränkung der Freiräume der Schüler negativ herausstellen. Das Gegenteil ist eigentlich der Fall:
- Sie geben den Schülern Sicherheit, denn sie wissen, wie sie was zu tun haben.
- Sie erhöhen die effektive Lernzeit der Schüler.
- Sie reduzieren Störungen.
- Sie verbessern das Klassenklima. Sie machen das Unterrichten für den Lehrer befriedigender.
Verfahrensabläufe lernen die Schüler so wie Lesen und Schreiben, nämlich indem der Lehrer sie mit ihnen so lange übt, bis sie es können. Am leichtesten erlernen Schüler solche Verfahrensabläufe, wenn sich die Lehrer in den Fachschaften über gleiche Verfahrensabläufe verständigen und alle diese abgestimmt einhalten und einüben.
OStD Dr. U. Meier
Schulleiter, 25.08.2009



