
Im Gepäck ein kleiner Reisbär
Von Viola Petersson
Eberswalde (MOZ) Die 15-jährige Louise Willneff ist die Auserwählte. Die Finowfurterin darf das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium bei der internationalen Arktis-Expedition im September vertreten. Direktor Uwe Meier hat die Jury-Entscheidung gestern offiziell verkündet.
Wenn am 1. September wieder die Schule beginnt, dann steigt Louise Willneff in den Flieger nach Toronto. Dann beginnt für die Gymnasiastin das größte Abenteuer ihres noch jungen Lebens: Die Finowfurterin geht auf große Expedition. Sie ist eine von insgesamt 28 Teilnehmern aus sieben Ländern, die zwei Wochen an Bord des russischen Forschungsschiffes MV Academik Shokalskiy verbringen werden.
Deutschland hat bei diesem Projekt zwei Plätze. Einen davon hatte im Frühjahr das Humboldt-Gymnasium mit seiner Bewerbung für die Ausschreibung des British Council gewonnen. Im Mittelpunkt des Projektes, der Kampagne "Cape Farewell", steht das Thema Klimawandel. Dank eines Dialogs zwischen Kunst und Wissenschaft soll das Bewusstsein für den Klimawandel geschärft werden. Die Arktis-Expedition ist der Höhepunkt des Projektes.Ein kleiner Reisbär wird Louise Willneff auf der großen Tour ins ewige Eis begleiten. Das Maskottchen hatte ihr Schulleiter Uwe Meier gestern am letzten Schultag überreicht. Aber auch die anderen Mitglieder des Green-Teams, aus deren Mitte heraus Wilneff gekürt worden war, sind nicht leer ausgegangen. Für Friederike Kleinschmidt, Elisabeth Waldow, Benjamin Buchwaldt und Willi Mews gab es jeweils ein braunes Plüschexemplar - als Trost und als Verbindung zu "Botschafterin" Louise Willneff.In den vergangenen Wochen hatte das Quintett ein Video zum Thema Klimawandel erstellt. Und auch den gestrigen letzten Schultag hatten die Fünf ganz in den Dienst des Projektes gestellt. Unter dem Motto "Go green" waren die Gymnasiasten aufgefordert, für den Schulweg ein ökologisches Transportmittel zu wählen. Die Devise hieß also: Fahrrad statt Auto oder Moped. Am Ende kamen 6280,6 ökologische Kilometer zusammen. Die aktivsten in Sachen Umweltschutz waren die Schüler des Biologie-Leistungskurses Jahrgangsstufe 12.
Nachdem das Geheimnis offiziell gelüftet war, gestand Louise Willneff, dass sie den Jury-Entscheid schon seit einigen Tagen kannte. "Für eine solche Reise sind doch eine Menge Vorbereitungen nötig. Ich muss zum Arzt, ein neuer Pass ist zu beantragen." Aufgrund vieler Formalitäten und der engen Zeitschiene konnte die Kommission mit ihrer Wahl nicht bis fünf vor zwölf warten. Außer Louise und ihrer Familie sowie der Schulleitung wusste allerdings bis gestern niemand Bescheid. Wobei Direktor Uwe Meier und Lehrerin Silke Volkmann betonten, bei der Entscheidung selbst außen vor gewesen zu sein. "Und das war auch gut. Denn wir kennen die Schüler. Und da ist man doch nie ganz frei von Meinungen. Die Jury des British Council indes konnte völlig unvoreingenommen an die Auswahl gehen", erklärte Volkmann.
Und auch wenn die Bekanntgabe für Louise Willneff also keine Überraschung mehr war, so war ihr doch auch gestern die Freude förmlich ins Gesicht geschrieben. "Damit konnte man einfach nicht rechnen. Alle hatten die gleiche Chance. Und wir wissen bis heute auch nicht so recht, welche Kriterien den Ausschlag gegeben haben", erklärte die 15-Jährige.
Die Ferien werde sie - abgesehen von einem Besuch bei Freunden in Heidelberg - für die Vorbereitung auf die große Fahrt nutzen. "Ich werde mich noch mal mit dem Thema Klimawandel beschäftigen, nachlesen und mir vielleicht auch schon Gedanken zum geplanten Kunstprojekt machen", so die Finowfurterin. Denn der 13-tägige Aufenthalt an Bord des Forschungsschiffes sei natürlich keine Erholungsreise. "Das wird sicher auch ein hartes Stück Arbeit." Vielleicht lasse sich auch Musik in das Projekt einbinden. "Ich spiele nämlich seit elf Jahren Klavier und singe im Chor", überlegt die angehende Elftklässlerin schon mal. Ob der Rahmenbedingungen macht sie sich indes (noch) keine Gedanken. Temperaturen in der Arktis oder mögliche Seekrankheit sind derzeit kein Thema. "Ich war ja noch nie auf einem großen Schiff. Und außerdem gibt es ein einwöchiges Vorbereitungscamp." Eine Art Arktis-Training.
In Anbetracht der großen Erwartungen geriet für Louise die Zeugnisübergabe beinahe zur Nebensache. Dabei kann die 15-Jährige auf den Durchschnitt von 1,3 und die erfolgreichen Prüfungen genauso stolz sein.
(Quelle: Märkische Oderzeitung vom 17. Juli 2008)




